Wer gründet während einer Pandemie ein Unternehmen?

Neulich hat ein Arbeitskollege zu mir gesagt: "Besser hättet ihr euer Unternehmen zwei Jahre später gegründet."


Aus rein unternehmerischer Sicht hat er vielleicht Recht. Aber hinter Taniko steht mehr, als nur Gewinne zu erwirtschaften.


Ohne Corona hätten wir gar keine madagassischen Produkte importiert. Die Idee kam uns erst, als der Präsident Andry Rajoelina in Madagaskar den ersten Lockdown im Frühjahr 2020 verhängte. Durch den Lockdown in Deutschland sind zwar auch viele Existenzen zerstört worden und viele Betriebe mussten aufgeben. Aber in Deutschland muss dann niemand Hunger leiden. Der Staat fängt einen wenigstens in der letzten Instanz auf. Arbeitslosenhilfe 1 + 2 und die Grundsicherung sichern uns wenigstens das Überleben und ein Dach über dem Kopf. Für uns sind diese Dinge selbstverständlich.


Das kann sich kaum ein anderes Land auf der Welt leisten. Madagaskar schon gar nicht. deswegen haben wir überlegt, was wir tun können. Vielen Menschen in Madagaskar fehlt dieses Dach über dem Kopf und regelmäßige Mahlzeiten.


Und da kamen wir auf die Idee, Kunsthandwerk, Feinkost, Gewürze und Kaffee zu importieren und auf Märkten, Veranstaltungen und Online zu verkaufen. Da erst die Veranstaltungen und dann die Märkte schließen mussten, entschieden wir uns für einen kleinen Laden, den wir dann aber auch schließen mussten.


Klar ist das frustrierend und nervig, aber mit den meisten Maßnahmen waren wir ja auch einverstanden. Die Gesundheit der Menschen ist auch schützenswert. Durch die Korruptionsaffäre unserer Politiker bleibt aber ein bitterer Beigeschmack. So bleiben wir z.B. auf 200 Masken sitzen, da im öffentlichen Bereich nur noch medizinische oder FFP2 Masken erlaubt sind. Durch die Maskendeals unserer Politiker, können wir die unseren nicht mehr verkaufen.


Wir sind jetzt in einen Laden umgezogen, der eine bessere Lage als der alte hat. Wir hoffen natürlich, dass wir eines Tages der Treffpunkt der Kulturen sein können, wie wir ihn uns immer vorgestellt haben.


Es gibt aber auch schöne Zeiten, wo man besonderes Feedback seiner Kunden hört. So hat zum Beispiel gestern jemand Tojo angerufen und von der Begeisterung der Beschenkten erzählt. Der Kaffee, die Vanille und der Pfeffer wären der Hammer und alle wollten Nachschub. Das tut dann der Seele gut.


Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass wir nicht nur unsere Kunden glücklich machen. Sondern vor allem die Produzenten und Bauern, die einen fairen Lohn für ihre Arbeit bekommen. Das ist unser eigentlicher Unternehmenszeck und den konnten wir bisher ziemlich gut erfüllen. Letztes Jahr konnten wir so über 30 Menschen über ein halbes Jahr beschäftigen. Dieses Jahr sind es immerhin noch 15 und wir hoffen sehr, dass es wieder mehr werden. Dafür konnten wir diese Jahr schon fast 450 Bäume pflanzen. Unser Ziel sind dieses Jahr 1000 Stück.


Wir bieten unseren Kunden nicht nur die Produkte, sondern die Möglichkeit, etwas Gutes in Madagaskar zu bewirken und dafür tolle Geschenke zu erhalten.


Momentan ist es nicht so leicht weiter zu machen und die Positivität zu behalten. Aber das gehört dazu. Es gibt Höhen und Tiefen und man muss auf das Gute schauen, damit man das Negative durchstehen kann.


Wir hätten im Lockdown auch einfach Netflix schauen können ;) Dann hätten wir zwar keinen Stress und keine Sorgen, aber geholfen hätten wir dadurch auch niemanden.


Ich wollte euch einfach mal an unseren Gedanken teil haben lassen und zeigen, dass auch bei uns nicht immer alles glatt läuft. Aber es hält uns trotzdem nicht davon ab, weiter zu machen. Eine große Stütze dabei sind wir uns gegenseitig. Tojo baut mich auf und ich Tojo, falls wir wieder solche Phasen haben. Eine weiter Stütze ist uns Jesus, auf den wir bisher immer zählen konnten und auch weiterhin zählen können. Er ist unser fleißigster und bester Mitstreiter und hat uns immer bei allem was uns überforderte geholfen.




"Nicht das Beginnen wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten"
- Katharina von Siena
Man muss den Berg erst erklimmen, um die Aussicht genießen zu können
Man muss den Berg erst erklimmen, um die Aussicht genießen zu können.

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