Madagaskar - die rote Insel

Aktualisiert: 28. Aug. 2021

Es gab eine Zeit, da hat man Madagaskar "die grüne Insel genannt".

Heutzutage nennt man sie "die rote Insel", denn Madagaskar ist mittlerweile schon zu 80% entwaldet. Die rote Farbe stammt vor allem durch Erosionen, die in der Regenzeit vorkommen. Früher haben die Wurzeln die Erde geschützt und zusammen gehalten. Heute spült der Regen die Erde einfach weg. Ich habe es satt und es bricht mir mein Herz, jedes Mal schlechte Sachen über Madagaskar zu hören. Was mich am meisten verletzt ist, dass vieles davon wahr sind.

Es ist die Realität, dass Madagaskar sich Tag für Tag selbst zerstört. Es ist die Realität, dass wir Weltmeister in Waldrodung sind, dass tagtäglich 500.000 Bäume in Madagaskar verbrannt werden. Während sie diesen Blogbeitrag lesen haben sich schon über 1300 Bäume in Kohle und Asche verwandelt.

Dieses Jahr ist meine Familie in ihrem Urlaub an die Küste gefahren. Kurz nach ihrer Ankunft haben sie alle richtig heftigen Sonnenbrand bekommen. Ich habe keine einzige Kindheitserinnerung, wo ich mich mit Sonnencreme eincremen musste. Aber jetzt ist schon die Ozonschicht so dermaßen beschädigt, dass man schrecklichen Schaden bekommt, trotz starker Sonnencreme und nur kurzem Aufenthalt am Strand. Ich erinnere mich immer daran, wie ich mal stolz gesagt habe: "nein, bei uns in Antananarivo ist es nie zu kalt oder zu warm. Es ist immer sehr angenehm, sehr mild". Diese Zeit ist leider vorbei. Jedes Mal, wenn ich mit meiner Familie telefoniere, erzählen sie mir wie unerträglich die Hitze ist. Woran das liegt, ist eindeutig! Unser Wald ist die Klimaanlage unseres Planeten. Ohne Bäume = kein Regen = keine Abkühlung = kein Schutz! Wir haben unser eigenes Grab geschaufelt.

Selbst wenn ich in meinem Leben noch kein einzigen Baum gefällt habe, werde ich immer von "uns" sprechen, denn auch ich bin davon betroffen, auch ich bin dafür verantwortlich. Ich trage auch Schuld, denn ich habe lange nichts aktiv dagegen unternommen. Wir haben über Generationen unsere Bäume verbrannt, um ein bisschen Kohle zu bekommen und zu verkaufen. Ein Kilo Kohle kostet 0,5 €. Dafür haben wir den Wald entzündet und müssen dafür jetzt selbst verbrennen. Ich möchte uns nicht mal blamieren, wir wussten es nicht besser oder doch! Wir wussten es schon, aber wovon hätten wir sonst leben können? Zwischen heute sterben oder morgen haben wir uns für morgen entschieden. Aber morgen ist vielleicht schon heute, vielleicht ist es schon zu spät. Aber im Moment können wir noch eins tun: überleben. Alles anwenden, um gegen diese Selbstzerstörung anzukämpfen.

Ich habe mir schon vor langer Zeit Gedanken darüber gemacht, wie ich mitwirken kann. Aus diesem Grund habe ich damals Taniko gegründet, um in Madagaskar Arbeitsplätze zu schaffen. Denn ich habe gemerkt, dass diese Zerstörung der Umwelt vor allem eine direkte Konsequenz der Armut ist. Taniko habt ihr sehr unterstützt und wir konnten schon gemeinsam 30 Menschen beschäftigen. Das ist sehr gut, aber es reicht noch lange nicht. Wir müssen mehr tun. Somit haben wir uns entschieden ein Teil unserer Einnahmen in Aufforstungsprojekte in Madagaskar zu investieren. Ich war so glücklich, das soziale Unternehmen von Max Fontaine entdeckt zu haben: Bondy. Es ist ein Team von jungen Madagassen, die das madagassische Wiederaufforstungssystem revolutioniert hat. Viele Organisation pflanzen schon ab und zu Bäume, aber wo sind die? Entweder haben sie die natürlichen Bedingungen nicht überlebt, oder sie wurden verbrannt. Warum? Einerseits weil sich keiner um die Pflege der Anpflanzungen gekümmert hatte. Andererseits weil für die Bevölkerung die Bäume nicht nützlich sind und sie die neuen Bäume einfach wieder verbrennen, um Kohle zu bekommen und ihre Felder darauf zu errichten.

Bondy hat ein System entwickelt, wie sie die Bäume in den ersten 5 Lebensjahren regelmäßig pflegen und alles in Absprache mit dem Dorfbewohnern machen. Ihr Agroingenieur Team macht zuerst eine topologische Analyse, um herauszufinden auf welchem Grundstück welcher Baum gut wächst. Aber am Wichtigsten ist die Einbeziehung der lokalen Bevölkerung, welche Bäume sie sich wünschen. Am meisten entscheiden sie sich für Fruchtbäume, die für sie auch langfristig Erträge bringen. Sowas braucht Madagaskar: junge Leute, die eine Vision haben und aktiv werden. Junge Leute, die Verantwortung für sich selbst und für Ihr Land übernehmen und aufstehen. Ich bin sehr stolz darauf, ein Teil davon zu sein. Einen weiteren Beitrag über dieses Thema findest du hier. Ab sofort werden wir für jedes von euch bestelltes Produkt einen Mangroven Baum in Madagaskar pflanzen. Die Bäume werden fünf Jahre Lange von Bondy gepflegt und ihr bekommt regelmäßig Bilder-Updates wann wir pflanzen und wie sich die Pflanzen entwickeln. Mangroven Bäume sind für das madagassische Ökosystem enorm wichtig. Mangroven zählen zu den produktivsten Ökosystemen der Welt. Außerdem bieten sie Schutz gegen Küstenerosion und brechen Sturmwellen, Tsunamis und nehmen ihnen die Kraft bevor sie die Siedlungen erreichen. Alles was in der Vergangenheit schon geschehen ist, können wir nicht mehr ändern, egal ob in Madagaskar, in Deutschland oder auf der ganzen Welt. Wasser was schon auf dem Boden liegt, kann man mehr auffangen. Aber was wir machen können ist zu reparieren, restaurieren, renaturieren und hoffen, dass es reicht. Wir sind eine Transition Generation. Wir werden nicht erleben was wir jetzt säen, aber wir machen das alles für unsere Kinder und die Kinder ihrer Kinder. Wir bauen heute für morgen, lass uns zusammen Bäume pflanzen!


Madagaskar - die (demnächst) grüne Insel

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